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27.10.
Ruhe-
und Packtag. Ich rauche mit Peter ein Zigarette von den Vorräten, die
Uwe eigentlich für die Träger gekauft hatte: ein fürchterliches
Kraut! Spät am Abend kommen unsere sehnlich erwarteten Träger von
Marpha herauf. Aber es sind viel zu wenige. Statt erforderlicher 15
Träger konnte Niru nur sieben anheuern. Derzeit sind ungewöhnlich
viele Touristen im Land, so dass überall Trägermangel herrscht.
Einer der sieben muss mit Höhenkopfschmerzen umgehend wieder
absteigen. Wie soll mit so wenigen Leuten unser gesamtes Gepäck ins
Tal gebracht werden? Wir wissen es nicht.
28.10.
Unser
letzter Morgen im Basislager. Um 6 Uhr ist Wecken angesagt. Frühstück
eine dreiviertel Stunde später in der morgendlichen Kälte. Abbau des
Lagers. Unsere sechs Träger und drei Begleiter können unmöglich das
ganze Gepäck tragen. Also bleiben die Basislager-Zelte, Tisch und Stühle,
zwei unserer Tonnen (u.a. Hardware und Fertignahrung) und einiges mehr
vorerst hier zurück. P. D. und einige der Träger wollen anschließend
ein zweites Mal ins Basislager aufsteigen und die verbliebenen Sachen
noch holen. Die Träger haben trotzdem noch extrem schwer zu tragen.
Sie kommen nur sehr langsam voran (für uns ist es unbegreiflich,
wie man die schweren Lasten überhaupt über solche Strecken in dieser
Höhe tragen kann). Zwei von ihnen bekommen Höhenkopfschmerzen. Wir
kommen hinter dem Dhampus Pass an den Camps des DAV Summit Club und
einer französischen Trekkinggruppe vorbei. Bei der Gruppe des DAV
Summit Club ist in der Nacht ein Träger gestorben. Vermutlich war es
keine Höhenkrankheit, sondern ebenso wie bei unserem Küchenhelfer
eine aggressive Infektion!
Uwe
und mir ist der Weg bereits bekannt. Ich bilde mit Stefan das
Schlusslicht. Ewig zieht sich auch noch beim zweiten Mal der Weg über
die flachen Hänge dahin. Noch lange schaut die Hongde Südpyramide
hinter dem Dhampus Pass heraus. Wir genießen trotz der Latscherei den
Blick auf die Tukuche Peak Ostwand, die Annapurna I, auf Tilicho Peak
und die drei Gipfel der Nilgiri-Gruppe. Am Beginn des Steilabstiegs
werden wir von Sturmböen empfangen. Stürmische Winde wehen heute
Nachmittag durch das Kali Gandhaki talaufwärts. In Yak Kharka treffen
wir auf einen Großteil der DAV Summit Club Gruppe. Nur deren Gipfelstürmer
vom Dhampus Peak sind noch unterwegs. Da unser Gepäck noch weit
hinter uns unterwegs ist (inklusive Zelte und Küche), werden wir in
der Zwischenzeit im Mannschaftszelt des DAV Summit Club freundlich
aufgenommen und bewirtet. Unsere Träger kommen etwa zwei Stunden später
im Lager an. Trotz der fortgeschrittenen Stunde ist es hier ungewohnt
mild – wir merken, dass wir uns fast eintausend Meter tiefer
befinden als im eisigen Basislager oben im Hidden Valley. Beim Aufbau
des Küchen- und Aufenthaltszeltes helfen wir tatkräftig mit, was
bei dem Sturm eine ordentliche Herausforderung darstellt. Jana und ich
beschließen, die Nacht ohne Zelt zu verbringen. Hinter einer hüfthohen
Steinmauer ist es dafür ausreichend windgeschützt. Wir bauen unser
Zelt aber dennoch direkt daneben auf. Sollte es heute Nacht draußen
zu kalt werden, können wir uns immer noch dort hinein flüchten.
Zum Abendessen finden wir uns gemeinsam mit den Trägern und der
Begleitmannschaft alle im einzig verbliebenen Gemeinschaftszelt
ein. Es ist ausgesprochen gemütlich, niemand vermisst Tisch und Stühle.
In Windeseile ist Suppe gekocht und sind Krabbenchips gemacht. Wir
verzichten auf ein umfangreiches mehrgängiges Mahl, um die vom
anstrengenden Tag erschöpfte Küchenmannschaft zu entlasten. Beim
Einschlafen genießen Jana und ich den einzigartigen Sternenhimmel über
unser. Wir beobachten herrliche Sternschnuppen.
29.10.
Um
7 Uhr werden wir mit heißem Tee geweckt. Aufgrund der ostseitigen
Lage ist es bereits sonnig und halbwegs warm. Das Frühstück nehmen
wir wieder im Freien ein. Wir bauen ohne Hektik unser Lager ab und
starten als letzte Gruppe zu unserer finalen Etappe talwärts.
Wieder beobachten wir unzählige Greifvögel über uns. Zunächst geht
es flach bergab. Gegen 11:30 Uhr machen wir eine längere Pause bei
einigen Almgebäuden. Danach wird der Weg steil. Unsere schweren Rucksäcke
schieben uns hinab. Um 14:30 Uhr erreichen wir Marpha. Marpha ist ein
schönes Dorf, buddhistisch-tibetisch geprägt. Hier begegnen wir
vielen Trekkern und Touristen, die von der Annapurna-Runde
herunterkommen. Unterkunft im einfachen, aber ordentlichen Hotel
„Chez Nisa“ im Zentrum des Ortes. Wir essen dort Mittag und machen
dann einen Ortsrundgang; Einkaufsbummel mit Souvenirkauf. Ich kaufe
mir eine schöne, fleece-gefütterte Strickmütze und ein geschnitztes
buddhistisches Gebetsbrettchen. Abends erleben wir ein tolles
Festessen mit Bier und Apfelbrandy (Marpha gilt als die
„Apfelhauptstadt“ Nepals). Wir verteilen Geschenke und Trinkgeld
an die Träger und unsere Begleiter. P. D. wird morgen mit den Trägern
wieder zurück ins Basislager aufbrechen, um die fehlenden Gepäckstücke
herunterzutragen.
30.10.
Wir
verbringen unsere erste Nacht in einer festen Unterkunft nach 29 Tagen
im Zelt oder unter freiem Himmel. Um 7 Uhr bekommen wir den letzten
„Wake-up tea“ dieser Reise. Nach dem Frühstück und dem Packen
erfahren wir von Deepak, dass wir nochmal 5000 Rupien aufbringen müssen,
da unser Gepäck, anders als ursprünglich geplant, per Traktor nach
Jomsom transportiert werden muss. Die erneute Geldforderung senkt die
Stimmung (In Kathmandu bekommen wir allerdings die Auslagen ohne
Diskussion von Niru zurück). Jana versucht eine am Abend vorher
ausgewählte Jacke, die ihr sehr gut gefällt, zu kaufen, aber der
Laden bleibt heute Vormittag geschlossen. Wir besichtigen das
buddhistische Kloster des Ortes, wo noch 14 Mönche leben, die
gerade damit beschäftigt sind, die Tempel zu renovieren. Anschließend
besichtigen wir die in den Fels gebaute Stupa oberhalb des Ortes und
genießen den Blick über die Dächer von Marpha. Nach einem letzten
Apfelsaft starten wir zu Fuß (6 km) Richtung Jomsom. Deepak berichtet
vor unserem Aufbruch noch einmal von Transportproblemen. Wir sind
gespannt, ob unser Gepäck bis heute Abend in Jomsom ankommen
wird. Ein ehemaliger Lehrer folgt uns ein Stück des Weges bis zur
Ortsgrenze von Marpha. Er schenkt uns eine Tüte Äpfel. Er erzählt
von deutschen Freunden. Auf seine Nachfrage geben wir ihm drei unserer
Schirme, die nun nicht mehr von uns gebraucht werden. Es ist jetzt am
frühen Nachmittag staubig und windig. Nach anderthalb Kilometern holt
uns ein Traktor ein, auf dessen Anhänger unser Gepäck transportiert
wird. Wir werden gefragt, ob wir die verbleibende Strecke auf der
Ladefläche zwischen unseren Gepäckstücken mitfahren wollen. Wir müssen
nicht lange überlegen und willigen ein. Der Fahrer des Traktor rast
mit uns im Schlepptau über die Schotterpiste. Wir müssen aufpassen,
dass wir bei größeren Steinen oder Schlaglöchern nicht vom Hänger
gewippt werden oder uns den Steiß brechen. Große Aufmerksamkeit müssen
wir auch den tief hängenden Stromleitungen widmen. Nach einer knappen
halben Stunde erreichen wir am Ortseingang von Jomsom das Hotel „Tilicho“.
Es ist früher Nachmittag. Wir essen Mittag und beziehen unsere
Zimmer. Das Hotel steht unmittelbar an der Startbahn des Flughafens.
Wir verabschieden uns von unseren Begleitern. Sie wollen auf dem
Landweg zurückreisen. Wir werden sie mit etwas Glück noch in
Kathmandu wiedersehen.
Im
Vergleich zu Marpha ist Jomsom ein wenig attraktiver Ort. Nachmittags
gehe ich ins benachbarte Internet-Cafe und schicke ein erstes
Lebenszeichen nach Hause (Mein gestriger Versuch, zu Hause anzurufen,
war nur bedingt erfolgreich – zu schlecht war die Verbindung). Ich
mache einen Ortsrundgang. Ich treffe Jana in einem Geschäft. Zusammen
begegnen wir dann den anderen in einem Cafe. Unsere Flugtickets für
den Kurzstreckenflug nach Pokhara sollen wir erst morgen früh kurz
vor dem Start erhalten. Wir sind gespannt. Das Abendessen im Hotel ist
noch einmal sehr gut. Der Schnupfen und meine Rippenschmerzen wollen
auch hier unten nicht recht weichen.
31.10.
Frühstück
um 7 Uhr. Die ersten Flugzeuge treffen aus Pokhara ein. Die Flugzeuge
pendeln den ganzen Vormittag im Stundentakt. Wir bringen unser Gepäck
zum einhundert Meter entfernten Flughafengebäude. Dort treffen wir
einen allein reisenden Trekker aus Bautzen. Smalltalk. Um 9:25 Uhr
erhalten wir endlich unsere Tickets und checken ein. In einer Stunde
werden wir in der Luft sein. Für das Übergepäck müssen wir extra
zahlen. Die Gaskartuschen dürfen nicht transportiert werden und müssen
zurückgelassen werden. Auch ein Teil des Übergepäcks passt aufgrund
der Gewichtsbegrenzung nicht mit ins Flugzeug. Es soll morgen mit dem
ersten Flug nachgesandt werden. Pünktlich um 10:25 Uhr sitzen wir
zusammen mit acht anderen Fluggästen, den beiden Piloten und einer
Stewardess im startbereiten Flugzeug. Die Flugdauer beträgt gerade
einmal 15 Minuten bei einer Distanz von einhundert Kilometer. Der Flug
wird ein einmaliges Erlebnis. Zunächst geht es zwischen den
Steilflanken von Annapurna- und Dhaulagirigruppe im Kali Gandhaki
entlang. Die rechts sitzenden haben Tiefblick auf Marpha. Weit über
uns ragen die Schnee- und Eisriesen empor. Es geht sehr dicht über Dörfer,
Pässe, terrassierte Steilhänge und tiefe Schluchten hinweg. In
Pokhara empfängt uns Sommerwetter. Wir werden mit einem Kleinbus
abgeholt und in ein Hotel am Phewa-See gebracht. Nachdem wir unsere
Zimmer bezogen haben und endlich wieder duschen können, suchen einige
von uns einen Friseur und Barbier auf, der uns geschickt gleich noch
eine zweifellos angenehme, aber nicht ganz billige Massage
verabreicht.
Wir
essen in einem der unzähligen Restaurants zu Mittag. Am späten
Nachmittag machen wir einen Stadtrundgang entlang des Seeufers.
Souvenirkäufe. Zwischen den Häusern ragt der heilige Berg
Machupuchare in den Abendhimmel und erstrahlt beeindruckend im
Abendrot. Am Abend gehen wir Koreanisch essen. Es ist unglaublich
scharf, aber dennoch sehr delikat.
1.11.
Heute
Morgen sollten wir eigentlich mit einem Linienbus nach Kathmandu
fahren. Da wir aber noch auf Gepäck aus Jomsom warten, muss
umdisponiert werden. Der Hotelchef kümmert sich zuverlässig um die
Anlieferung unseres fehlenden Gepäcks. Wir starten am Vormittag mit
einem Kleinbus nach Kathmandu. Vorher genießen wir noch einmal vom
Dach unseres Hotels den Blick bei wolkenlosem Wetter auf die
Annapurna-Kette. Der Busfahrer aus Pokhara war noch nie in Kathmandu.
Der chaotische Verkehr in der Hauptstadt ist für ihn ungewohnt, aber
wir erreichen wohlbehalten das Hotel „Harati“. Dort treffen wir
auf Ganesh. Wir beziehen unsere Zimmer. Jana und ich bekommen eine große
Suite im vierten Stock mit Blick auf den Tempelberg von Svoyambu Nath.
Am Abend sind wir bei Niru zum „Farewell Dinner“ eingeladen. Auch
Ganesh ist anwesend. Wieder einmal wird mehr aufgetischt, als wir beim
besten Willen essen können.
2.11.
Unser
letzter Tag in Nepal. Wir verbringen den Vormittag mit Packen. Nach
einem anfänglichen Disput packen wir alles in 20 Kilogramm-Gepäckstücke.
Wir erfahren, dass Stefan und ich noch einmal ins
Tourismus-Ministerium fahren müssen. Niru hat eine Kaution für
unsere Expedition hinterlegt. Um diese wiederzubekommen, müssen wir
umfangreiche Fragebögen zum Verlauf unserer Expedition ausfüllen.
Vorher ist wieder einmal nerviges Warten im Ministerium angesagt. In
den Formularen sind auch Fragen nach der Anwesenheit unserer
Begleitoffiziere im Basislager zu beantworten. An dieser Stelle tragen
unsere beiden zuständigen Begleitoffiziere dreist erfundene Daten
ein. In Wirklichkeit waren sie nie bei uns im Lager. Als wir das
Ministerium verlassen, bekommen wir mit, wie unser männlicher
Begleitoffizier versucht, Niru zu erpressen. Zurück im Hotel wartet
erneut der Mitarbeiter von Elizabeth Hawley auf uns. Bereitwillig
und ausführlich berichten wir ihm von unserer Expedition. Kurz vor
der Abreise kommt Niru zu uns ins Hotel. Wir besprechen im Hotelgarten
die letzten offenen Fragen. P. D. ist mit unseren fehlenden zwei
Tonnen noch unterwegs, hofft aber, noch vor unserer Abreise am
Flughafen zu sein. Wir fahren mit Niru zum Flughafen und
verabschieden uns. Als wir schon die erste Sicherheitskontrolle
passiert haben, trifft P. D. ein. Leider können wir uns nicht mehr
persönlich verabschieden, sondern nur noch durch die Glasscheibe
hindurch winken. Auch die Tonnen bekommen wir aufgrund der
Gewichtsbeschränkungen nicht weg. So bleibt ein Teil unserer Ausrüstung
vorerst bei Niru in Kathmandu zurück. Wir verabschieden uns von Lars,
der als einziger mit Qatar Airlines fliegt. Fünf der aufregendsten
und unvergesslichsten Wochen meines Lebens sind in dem Augenblick, als
unser Flugzeug in den nepalesischen Nachthimmel steigt, Geschichte.
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Abschied
vom Basislager

am
Dhampus-Pass

Blich
ins Kali Gandhaki Tal


Ein
letzter Blick zum Tukuche

Annapurna
im Abendlicht

Jana
und Ingo übernachten im Freien

Die
ersten Bäume

Marpha
ist erreicht

Große
Feier mit Kuchen und Apfel-Likör


Zum
Abschied ein Apfel

Abflug
von Jomsom


Pokhara
mit dem heiligen Berg
Machupuchare

Zwei
Gepäckstücke bleiben in Nepal. Da müssen wir halt noch mal
hin.
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